GetreideGPS: Die flexibelste Energiepflanze

2013 brach der Ertrag von Biogasmais in vielen Gebieten erneut ein. Insbesondere in kühleren Lagen und in Regionen mit ausgeprägter Vorsommertrockenheit präsentierte sich Hybridroggen-GPS als ernstzunehmende Alternative. Auch Wintergerste und Winterweizen zeigten starke Leistungen.

Mischung aus Wintergerste und Ackerbohnen

Mischung aus Wintergerste und Ackerbohnen  

Abb. 1: Fruchtartenvergleich zur GPS-Produktion, Rendsburg 2013, n = 4 je Sorte

Abb. 1: Fruchtartenvergleich zur GPS-Produktion, …  

Abb. 2: Trockensubstanzgehalte verschiedener Wintergetreide-Mischungen im Vergleich zur Reinsaat

Abb. 2: Trockensubstanzgehalte verschiedener …  

viterra® GRANOLEG

viterra® GRANOLEG  

Abb. 3 Trockenmasse-Erträge von Wintergetreide-GPS mit Winter-Leguminosen.

Abb. 3 Trockenmasse-Erträge von Wintergetreide-GPS…  

Abb. 4: Trockenmasse-Erträge von viterra®-Zwischenfruchtmischungen bei 3 verschiedenen Düngungsstufen 2013.

Abb. 4: Trockenmasse-Erträge von viterra®-…  

In Exaktversuchen der SAATEN-UNION zeigten besonders die Neuzulassungen aus der Ganzpflanzensilage-Zulassung des Bundessortenamtes ihr volles Leistungspotenzial (Abb. 1.). Damit ist klar, dass Hybridroggen-GPS eine ernstzunehmende Alternative für den Maisanbau darstellt. Erstaunlich war der geringe Ertragsabstand zwischen Gersten-, Weizen- und Triticale-GPS an diesem Standort.

Getreidemischungen: Mehr Nachteile als Vorteile

Neben einer klassischen Reinsaat ist auch ein Mischanbau verschiedener Wintergetreide denkbar. Vorteile liegen unter Umständen in einer höheren Anbausicherheit und Ernteflexibilität. In den vorliegenden Versuchen aus 2012, konnte eine Einmischung von Triticale in Hybridroggen das Erntefenster jedoch nur geringfügig verlängern. Die Trockensubstanzgehalte verringerten sich gegenüber der Reinsaat nur unwesentlich (Abb. 2).

Diesen eventuellen Vorteilen stehen jedoch klare Nachteile gegenüber: Bei solchen Mischungen kann die Bestandesführung nie optimal verlaufen, weil Wachstumsregler und Pflanzenschutz immer nur auf einen der Mischungspartner ausgerichtet wird. Für den anderen Partner verläuft die Behandlung also zwangsläufig suboptimal.

Getreideleguminosen-Mischungen

Eine Alternative zu reinen Wintergetreide-Mischungen sind Mischungen mit Winterleguminosen wie Winterwicke, -bohne und -erbse. Mischungen mit Winterwicken können jedoch bei der Ernte Probleme bereiten. Sinnvoll sind solche Kombinationen vor allem dann, wenn Stickstoff eingespart und die Bodenstruktur verbessert werden soll.

Zweijährige Versuche in Nord- und Süddeutschland haben gezeigt, dass die Einmischung im Vergleich zur Reinsaat kaum zu einer Ertragsminderung führt (Abb. 3). Bei diesen Versuchen wurde sowohl die Aussaatstärke des Getreides und der Leguminosen, als auch die Stickstoff-Düngung um 50 % reduziert. Die Reduktion der Saatstärke konnte hier der Hybridroggen aufgrund des sehr hohen Bestockungsvermögens besonders gut kompensieren, zumal in beiden Jahren Niederschläge ausreichend vorhanden waren. Sowohl 2012 als auch 2013 führten stellenweise Kahlfröste zu starken Pflanzenverlusten, die auch ein erneutes Austreiben nicht vollständig kompensieren konnte.

Abb. 1: Fruchtartenvergleich zur GPS-Produktion, Rendsburg 2013, n = 4 je Sorte Abb. 2: Trockensubstanzgehalte verschiedener Wintergetreide-Mischungen im Vergleich zur Reinsaat

Vorteile von Getreide-GPS für Energiefruchtfolgen

Getreide-GPS ist nicht nur ertraglich bereits mehr als konkurrenzfähig, sondern hat zusätzlich noch weitere Vorteile:

  • die Entzerrung der Ernte (der Häcksler läuft nicht nur im Herbst zur Maisernte),
  • Verlängerung des Zeitraums für die Gärrestausbringung,
  • Ausnutzung der Winterfeuchte und damit Risikostreuung auf dem Betrieb,
  • Wintergetreide stellt auch eine Winterbegrünung zur Erosionsvermeidung dar.

Zusätzlich eröffnen sich neue Möglichkeiten der Fruchtfolgegestaltung: Da Getreide-GPS das Feld vier Wochen früher räumt als Körnergetreide, kann die Rapsaussaat ohne Zeitdruck vorbreitet werden. Mit Grasuntersaaten besteht die Möglichkeit einer Zweitfrucht, es kann mit Sommerzwischenfrüchten Biomasse produziert oder die Bodenfruchtbarkeit erhalten werden.

Was tun nach Getreide-GPS?

Eine ideale Ergänzung zur Getreide-GPS stellen Zwischenfruchtmischungen mit zertifiziertem Saatgut dar. Für fast jede Zielsetzung gibt es mindestens eine geeignete Mischung.

Hohe Biomasse-Erträge noch im Anbaujahr mit optimaler Gärrestverwertung: Die Mischung aus Sommerroggen, Sommertriticale und Rauhafer viterra® GRANOPUR und Granoleg (plus Sommerwicke) sind für dieses Anbauziel ideal.

Hohe Biomasseerträge im Anbaujahr:

Bei Betrieben, die nicht so sehr auf die Gärrestverwertung angewiesen sind, sondern eher in der mineralischen Düngung sparen und gleichzeitig Diversität ins Feld bringen wollen, ist die kruziferenfreie Mischung aus Sandhafer und Futtererbse viterra® Pratoleg die beste Wahl. Hier ist der Anteil an Futtererbsen für eine hohe Stickstoffbindung verantwortlich.

Gärrestverwertung plus Winterbegrünung: Die schnellwachsende Biomasse-Mischung aus Sommer- und Grünschnittroggen viterra® Protovid bleibt nach der Herbstnutzung über Winter stehen und liefert dann im Frühjahr bei guten Bedingungen einen zweiten Schnitt. Diese Mischung ermöglicht eine fast ganzjährige Gärrestausbringung durch den abtragenden Anteil der Zwischenfruchtmischung (Sommerroggen). Nach dem Winter kann im Folgejahr der Aufwuchs des Grünschnittroggens geerntet werden. In jedem Fall ist aber eine optimale Winterbegrünung vorhanden, die Erosion effektiv verhindert.

Abb. 3 Trockenmasse-Erträge von Wintergetreide-GPS mit Winter-Leguminosen. Abb. 4: Trockenmasse-Erträge von viterra®-Zwischenfruchtmischungen bei 3 verschiedenen Düngungsstufen 2013.

Gewässerschutz: Bei Versuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigte sich 2013 die Zwischenfruchtmischung viterra® Pratoleg sowohl im Ertrag (bis zu 85 dt/ha Trockenmasse), als auch in der Stickstoffbindung als bestens geeignet für den Schutz von Gewässern vor Stickstoffeintrag (Abb. 4). Der darin enthaltene Rauhafer PRATEX kann auch als Reinsaat nach Getreide-GPS sehr gute Ergebnisse erzielen. Er zeichnet sich durch einen geringen Wasserbedarf, eine schnelle Jugendentwicklung, gute Unkrautunterdrückung, sicheres Abfrieren und eine sichere und hohe Stickstoffbindung aus (Abb. 4). Selbst ohne Düngung konnten beide Mischungen noch einen respektablen Trockenmasse-Ertrag von 31 bzw. 41 dt/ha erbringen und entsprechend Stickstoff binden.

Eigene Versuche in 2013 haben mehrfach gezeigt, dass eine frühe Aussaat nicht immer den höchsten Biomasseertrag erbrachte. Eine Aussaat Mitte Juni nach Gersten-GPS war weniger ertragreich für die Zwischenfruchtmischungen, als eine Aussaat Mitte Juli nach der Ernte von Hybridroggen-GPS. Dies ist wahrscheinlich auf die hohen Temperaturen Anfang Juli zurückzuführen, die zu einer starken Reduktion der Bestockung führten. Bei den späteren Aussaatterminen konnte allerdings nicht aus dem Stand gehäckselt werden, da die Trockensubstanzgehalte mit 18–20 % Trockensubstanz nicht ausreichten.

Nicht immer und überall ist Mais die beste Biogaskultur. Das hat auch 2013 mit regional sehr niedrigen Maiserträgen wieder gezeigt. Getreide-GPS kann hier eine gute Alternative sein, besonders, wenn man die Fruchtfolge dann mit geeigneten Zwischenfruchtmischungen ergänzt – je nach vorrangigem Anbauziel.

Dr. Joachim Moeser


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