Tiere schützen – Fusariumbefall im Mais begrenzen

Die Stoffwechselprodukte einiger Fusariumpilze sind für Nutztiere schädlich und reduzieren deren Leistung. Dabei gibt es mehr als nur ackerbauliche Maßnahmen, um das Risiko effektiv zu senken.

gesunder Maiskolben/wenig anfällige Sorte

gesunder Maiskolben/wenig anfällige Sorte  

stark befallener Kolben einer anfälligen Sorte

stark befallener Kolben einer anfälligen Sorte  

Mykotoxin-Höchstmengen; zum Vergrößern anklicken

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Richtwerte; zum vergrößern bitte anklicken

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DON Gehalte LSV Bayern

DON Gehalte LSV Bayern  

 

Stängel- und Kolbenfäule im Mais sind das typische Krankheitsbild für einen Fusariumbefall. Neben ertraglichen Einbußen kann durch den Fusariumbefall auch die Qualität des Erntegutes beeinträchtigt werden, denn einige dieser Fusariumpilze bilden Stoffwechselprodukte, sogenannte Mykotoxine. Diese Stoffwechselprodukte sind giftig und können die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit von Mensch und Tier beeinträchtigen. Die in diesem Zusammenhang wichtigsten Mykotoxine der Fusariumpilze sind Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEA) sowie Fumonisine (FUM).


Befall mit Fusarium = hoher Mykotoxingehalt?

Es gibt eine Vielzahl von Fusarium-Spezies, die alle ein ähnliches Schadbild erzeugen. Da nur einige von ihnen die oben genannten Giftstoffe bilden, muss das Erntegut eines Maisbestandes, der mit Fusarium befallen ist, nicht zwangsläufig eine hohe Mykotoxinbelastung aufweisen.

Die von den Fusariumpilzen gebildeten unterschiedlichen Mykotoxine beeinflussen unterschiedliche Stoffwechselprozesse und unterscheiden sich daher in der Auswirkung. Während Fumonisine (Fusarium moniliforme und F. proliferatum) Leber, Nieren und evtl. auch herzschädigend sind, schädigt Deoxynivalenol (Fusarium graminearum und F. culmorum) Haut- und Schleimhaut, führt zu Magen-Darmstörungen, ist neurotoxisch und immunsuppressiv, Zearalenon (F. graminearum, F. culmorum) führt zu Fruchtbarkeitsstörungen.

Bitte beachten Sie auch die Praktikerbeiträge zu diesem Thema!

In der Tierernährung sind vor allem hohe DON-Gehalte problematisch. Gerade Schweine sind sehr empfindlich und reagieren schnell mit einer reduzierten Futteraufnahme. Bei akuten Vergiftungen werden Erbrechen und Durchfall oder/und Haut- und Schleimhautschädigungen beobachtet. Aus diesem Grund wird DON auch häufig als Leittoxin bezeichnet.


Welche Höchstmengen dürfen nicht überschritten werden?

Aufgrund der toxischen Wirkung von Mykotoxinen wurde eine EU-Verordnung erlassen, in der Höchstmengen für unverarbeitete Produkte zur Lebensmittelherstellung sowie für Produkte für den menschlichen Verzehr festgelegt wurden (s. Tab. 1). Zudem hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Jahr 2000 Richtwerte für die Mykotoxine DON, ZEA und FUM in der Tierernährung definiert (s. Tab. 2). Diese sind je nach Tierart und Tieralter unterschiedlich, haben einen empfehlenden Charakter und sollten somit bei der Fütterung unbedingt beachtet werden.

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Was kann die Praxis tun?

Um der Problematik von überhöhten Mykotoxingehalten im Futter vorzubeugen, können verschiedene Maßnahmen getroffen werden. In erster Linie sollte der Befall mit Fusarium durch folgende Maßnahmen minimiert werden:

  • Gute Zerkleinerung und Einarbeitung der Maisstoppel
  • Bekämpfung des Maiszünslers
  • Fruchtfolgegestaltung
  • Sortenwahl: geringe Anfälligkeit gegenüber Fusarium, Sortenunterschiede bezüglich der Mykotoxinbelastung beachten (s. Abb. 1)

Henrike Wulfmeyer

Das meint der Fachberater

Zur Maisernte 2014 kam es in vielen Maisbeständen aufgrund idealer Infektionsbedingungen zu regional sehr starkem Kolbenfusariumbefall. Dieser war optisch umso deutlicher, je strenger Maissorten die eng anliegenden Lieschblätter geschlossen hielten und diese sich oberhalb des Kolbens quasi verzwirbelten, verklebten und „dichtmachten“. Das Pilzmyzel konnte sich im idealen Mikroklima stark entwickeln und die Toxinbildung beschleunigen.

2015 kaum sichtbare Symptome
Aufgrund der im Nordwesten relativ guten, aber späten und sehr feuchten CCM/KM-Ernte entwickelten sich aber erneut hohe Belastungen/DON-Gehalte, vorrangig in spät abreifenden Sorten. Hier sind Infektionen besonders aus infizierten unbefruchteten Kolbenspitzen über Niederschläge in den Kolben eingewaschen worden. Die in 2014 oftmals so offen sichtbare Belastung wiederholte sich in 2015 nicht so deutlich – umso mehr wurden viele Landwirte durch höhere DON-Gehalte im CCM/Körnermais überrascht.

Daher sind Sorten für CCM/KM-Produktion im Vorteil, wenn sie wirklich früh reifen, sicher und früh öffnende Lieschblätter sowie eine hohe Einkörnungssicherheit bis in die Kolbenspitze haben.

Klaus Schulze Kremer


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