„Aufwand wird belohnt!“

In Schleswig-Holstein sind Rapsfruchtfolgen Klassiker. praxisnah wollte wissen, welche Folgen das Greening konkret in der Praxis hat – ein Gespräch mit Moritz Rautenberg, Betriebsleiter der Gut Goldensee Rautenberg GbR.

Betriebsleiter Motitz Rautenberg (r) und Mitarbeiter Robert Eggert

Betriebsleiter Motitz Rautenberg (r) und …  

viterra UNIVERSAL

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Die Gut Goldensee Rautenberg GbR ist ein Ackerbau- und Schweinemastbetrieb im südöstlichen Schleswig-Holstein in der Nähe von Ratzeburg mit 460 ha Ackerland und 40 ha Grünland.


praxisnah: Herr Rautenberg, wie hat das Greening Ihre Fruchtfolge geändert?

Rautenberg: Bis vor wenigen Jahren gingen die Flächen nach der Pflugfurche noch als Schwarzbrache in den Winter. Mit zunehmender Reduzierung des Pflugeinsatzes wurden Zwischenfrüchte immer mehr ein Thema. 2014 haben wir vor Zuckerrüben den nematodenresistenten Ölrettich COMPASS in Reinsaat angebaut. Aber da zur Erfüllung von ökologischen Vorrangflächen lediglich Mischungen anerkannt werden, brauchten wir ab 2015 eine greeningfähige Mischung. Weitere Anpassungen der Fruchtfolge waren jedoch mit den vier Fruchtfolgegliedern Winterraps, -weizen, -gerste und Zuckerrüben nicht notwendig.


Was waren die Entscheidungskriterien bei der Zwischenfrucht-Mischung?

Erstes Kriterium ist natürlich die grundsätzliche Greeningfähigkeit aber auch die Zusammensetzung der Mischung ist wichtig: Sie muss in Fruchtfolgen mit Raps frei von Kruziferen sein, damit die Kohlhernie nicht weiter gefördert wird, die hier vereinzelt auftritt. Auch wenn bislang das Problem der Rübenzystennematoden keine Rolle spielt, sollten keine Wirtspflanzen in der Mischung enthalten sein, die ja vor Zuckerrüben steht. Diese Kriterien erfüllt sehr gut die Mischung viterra® UNIVERSAL, die wir im letzten Jahr ausgesät haben. Sie enthält neben Rauhafer, Alexandriner Klee und Phacelia. Ein weiteres, wichtiges Kriterium erfüllt diese Mischung auch: Sie friert zuverlässig ab, sodass ich mit möglichst wenig Aufwand im Frühjahr die Zuckerrübe bestellen kann.


Wie sind Sie bei der Aussaat vorgegangen?

Nach der Weizenernte am 9. August kam zweimal ein Grubber zum Einsatz. Beide Arbeitsgänge wurden flach durchgeführt, um die Rotte der großen Strohmengen zu beschleunigen und Ausfallgetreide zum Auflaufen zu bringen. Vor dem ersten Stoppelsturz wurden 27  dt/ha Konverterkalk und vor dem zweiten 20  dt/ha getrocknete Gärreste ausgebracht. Einen Tag vor der Aussaat wurde die Grundbodenbearbeitung bis auf 28 cm Tiefe durchgeführt und am 20. August erfolgte die Saat der Zwischenfruchtmischung mit einer Drillmaschine.


Ist das nicht viel Aufwand für eine Zwischenfrucht?

Ja, aber ich würde es doch wieder so machen, damit sich die Zwischenfrucht auch bei schlechten Bedingungen gut entwickeln und ihre Vorzüge – die intensive Durchwurzelung des Bodens unterirdisch und die gute Unkrautunterdrückung oberirdisch – ausspielen kann.


Wie hat sich der Bestand im Herbst und Winter entwickelt?

Vor Winter hatte der geschlossene Bestand etwa einen halben Meter Wuchshöhe. Dennoch schien es so, dass durch die Rotte der großen Strohmengen Stickstoff gebunden wurde und der langsam wirkende getrocknete Gärrest dies nicht komplett kompensieren konnte. Ich denke, eine kleine Startgabe mit einem schnell wirkenden Mineraldünger, was ja im Greening nicht erlaubt ist, hätte die Anfangsentwicklung gefördert und zu noch mehr Aufwuchs und in Folge zu einer dichteren Mulchauflage geführt.

Selbst auch im eher milden Winter sind alle Komponenten sehr gut abgefroren. Bis auf Quecke-Nester waren kaum Unkräuter zu sehen. Wegen der Quecke haben wir Anfang März Glyphosat eingesetzt.


Was passiert mit der Zwischenfrucht bis zur Aussaat der Zuckerrübe?

Bodenstruktur und -gare sind noch sehr gut, weshalb wir die Überfahrten auf ein Minimum reduzieren: Im Idealfall soll die Zwischenfrucht vor der Aussaat der Rüben nur mit der Kurzscheibenegge eingearbeitet werden. Je nach Bodenfeuchte ist eventuell ein zusätzlicher Arbeitsgang mit einem Flachgrubber notwendig.


Welche Nährstoffmengen der Zwischenfrucht rechnen Sie zur Zuckerrübe an?

In Summe soll die Rübe 150 kg N/ha erhalten. Unter Berücksichtigung des Nmin-Wertes im Frühjahr und der Aufwuchsmenge vor Winter werde ich in diesem Jahr ca. 20  kg/ha Stickstoff anrechnen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Daniel Dabbelt


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