Neue Maßstäbe in Ertragsleistung und -sicherheit

Hybriden sind in vielen Kulturen bereits Standard, weil die Vorteile in der Praxis überzeugen. Bisher besetzte der Hybridweizen in Deutschland jedoch nur eine Nische. Dr. Mario Gils, Hybridweizenzüchter der Nordsaat Saatzucht GmbH, ist überzeugt, dass neue Sorten dies ändern werden.

 

Streifenanbau zur kommerziellen Hybridweizenerzeugung; zur Verbesserung der Qualität bitte anklicken

Streifenanbau zur kommerziellen …  

starker Trockenstress: Linienweizen (links) Hybridweizen (rechts)

starker Trockenstress: Linienweizen (links) …  

Ertragsvergleich Hybridweizen/Linienweizen

Ertragsvergleich Hybridweizen/Linienweizen  

Der wirkungsvollste Weg zur züchterischen Verbesserung von Kulturpflanzen ist die Erzeugung von Hybriden. Auch Hybridformen des Weizens zeichnen sich im Vergleich zu Liniensorten durch verbesserte Erträge, Agronomie und Stressresistenz aus.

Bei Weizen gestaltet sich die Züchtung von Hybriden jedoch schwieriger als bei Roggen, Mais und Co. - hinzu kommen strenge gesetzliche Vorgaben. Alle im europäischen Markt registrierten Hybridweizensorten werden daher mithilfe eines chemischen Kastrationsreagenzes (Gametozid) erzeugt. Zur Saatgutproduktion werden der pollensterile „weibliche“ und der bestäubende „männliche“ Kreuzungspartner in alternierenden Streifen nebeneinander angebaut.

Für eine erfolgreiche Hybridweizenzüchtung/-produktion braucht man sowoh mütterliche Erbkomponenten, welche die (männliche) Sterilität zuverlässig ausbilden als auch väterliche Erbkomponenten, die über eine ausreichende Bestäuberleistung verfügen, um eine effektive Befruchtung zu gewährleisten. Das ist im Weizen schwierig: Bei der Nordsaat werden jährlich ca. 3.000 neue Linien auf ihre Elterneignung geprüft – nur etwa 50 davon werden als potenzielle Eltern ausgewählt. Zudem werden Eltern mit hoher „Kombinationsfähigkeit“ benötigt, d.h. Erbkomponenten, die bei Kombination in der Hybride überlegene Eigenschaften im Sinne des „landeskulturellen Wertes“ ausprägen. Deren Auffinden ist ebenfalls extrem aufwändig – von tausenden Experimentalhybriden schaffen es nur wenige in die amtliche Zulassung.


Die neuen Sorten werden von der SAATEN-UNION in „Produktionstechnischen Versuchen“ geprüft: Durch angepasste Aussaatstärken, Saattermine und den Anbau an Stressstandorten wird den praxisüblichen Anbausystemen für Hybridsorten Rechnung getragen und eine spezifische Anbauempfehlung ermöglicht.

Immer wieder zeigt sich in diesen versuchen ein beeindruckender Ertragsvorteil der Hybriden im Vergleich zu den Liniensorten.

Die in den letzten Jahren in Deutschland zugelassenen Hybridweizensorten gehörten zur Qualitätstufe B- bzw. C. Die in 2016 zugelassene Sorte HYVENTO kombiniert erstmals die typischen Vorzüge einer Weizenhybride mit hoher Backqualität.

Ausblick:
Viele Forschungsvorhaben mit der Beteiligung zahlreicher Züchtungsunternehmen spiegeln das große Interesse an Hybridweizen wider. Verbunden mit erhöhten Investitionen der Unternehmen in Hybridweizen-Zuchtprogramme ist zu erwarten, dass die Zahl der zugelassenen Hybridweizensorten in den nächsten Jahren ansteigen wird.

 


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