Berliner Programm: Anforderungen werden internationaler

Nur Sommerbraugersten, die nach intensiver Untersuchung durch die Braugersten-Gemeinschaft e.V. den begehrten Stempel des Berliner Programms erhalten, haben Vermarktungschancen in die Mälzereien. Doch was wird eigentlich geprüft – und warum? Und was wird in Zukunft gefordert? Eine Analyse aus der Sicht von Dirk Hämke, Produktmanager Braugetreide.

 

Die Prüfungen erfolgen in den LSV und im Berliner Programm.

Die Prüfungen erfolgen in den LSV und im Berliner …  

Varrierende Mälzungsbedingungen und Malzmürbigkeit; Abbildung zur besseren Ansicht bitte anklicken

Varrierende Mälzungsbedingungen und Malzmürbigkeit…  

Die Sorte Marthe ist schon lange dabei, bei Mälzern aber immer noch beliebt

Die Sorte Marthe ist schon lange dabei, bei …  

Ziel dieser begehrten Verarbeitungsempfehlung ist es, die Markteinführung und -akzeptanz dieser neu zugelassenen Sorten durch diese Empfehlung zu beschleunigen, sodass „der Zuchtfortschritt der gesamten Wertschöpfungskette zeitnah zur Verfügung steht”, wie die Braugersten-Gemeinschaft e.V. betont.

Das Berliner Programm besteht aus zwei Stufen. Im ersten Jahr werden neu zugelassene Sommergersten-Sorten aus der deutschen Wertprüfung im halbtechnischen Maßstab (200 kg) verarbeitet. Im zweiten Jahr werden die maximal drei besten Sorten großindustriell vermälzt und verbraut.


Dabei sind die Verarbeitungseigenschafen sehr entscheidend – die Verarbeitung hat schließlich bei der Vergabe der Verarbeitungsempfehlung durch das Berliner Programm das letzte Wort. Die Brauereien, die auch Markttrends aufgreifen, haben also einen entscheidenden Einfluss darauf, was von den Sorten gefordert wird. Diese Anforderungen können sich in wenigen Jahren ändern und Sorten unattraktiv machen, die wenige Jahre zuvor noch priorisiert wurden.

Immer mehr werden die Anforderungen an die in deutschen Mälzereien zu verarbeitende Braugerste durch internationale Kunden bestimmt, da die Exportmenge erheblich ist. Um diesen Bedarf zu decken, werden jedes Jahr 55 % der benötigten Rohware importiert. Zudem stellt das deutsche Reinheitsgebot an die Rohware besonders hohe Anforderungen– viele bei ausländischen Produkten mögliche „Korrekturmaßnahmen“ im Verarbeitungsprozess sind in Deutschland schlicht verboten, weil sie gegen das Reinheitsgebot verstoßen.

Bestimmte Gerstentypen wie z.B. hochlösende Gersten werden daher für die Export-Produktion nachgefragt. Man könnte also mit heimischer Gerstenproduktion zumindest teilweise auch den Sortenbedarf für den Export decken und so die Verarbeiter unabhängiger von Importsorten machen. Allerdings werden die Anforderungen an Gerstensorten durch das Reinheitsgebot diktiert. Sorten mit für den Exportmarkt wichtigen hochlösenden Eigenschaften können zwar zugelassen werden, weil sie die Hürden leichter schaffen, aber sie werden unter Umständen nicht von den Verarbeitern identifiziert.

Derartige Sorten stehen international aber ausreichend zur Verfügung, weil man in dortigen Prüfungen entsprechend selektiert hat. Also müssen sich deutsche Mälzereien, die für den Export produzieren, weiterhin aus dem Ausland mit hochlösenden Gerstensorten eindecken, ohne dass die deutsche Landwirtschaft beteiligt ist.

 


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