KW32: Winterbraugerste - Alternative für die Fruchtfolge 2021

Winterbraugerste ist aus arbeitswirtschaftlicher und ökonomischer Sicht eine gute Alternative für die Fruchtfolge. Martin Sacher (SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND GEOLOGIE) zeigt warum und was bei der Vermarktung beachtet werden sollte. Im zweiten Teil gibt Produktmanager Paul Steinberg Tipps zur Düngung und Verwertung der Winterbraugerste.

Braugerste LYBERAC

Braugerste LYBERAC  

Braugerste ZOPHIA

Braugerste ZOPHIA  

Von den zur Ernte 2020 angebauten 1,32 Mio. Hektar Wintergerste wird nur ein vergleichsweise kleiner Anteil gezielt für die Malzerzeugung angebaut. Wintergerste räumt frühzeitig das Feld und ist damit sowohl arbeitswirtschaftlich von Interesse als auch für im Anschluss früh zu säenden Kulturen von großer Bedeutung. Sie liefert zudem höhere Erträge als Sommergerste und ist toleranter gegen Frühsommertrockenheit.

Züchtung

In den letzten Jahren war ein deutlicher Züchtungsfortschritt bei der Entwicklung neuer Winterbraugerstensorten zu erkennen. Neue Züchtungen zeigen verbesserte Qualitätseigenschaften, häufig bereits auf dem Niveau von Sommerbraugerste. Auch an leistungsstarken mehrzeiligen Braugerstensorten wird gearbeitet. Damit nimmt die Attraktivität von Winterbraugerste für Mälzer und Brauer zu.

Vermarktung

Häufig steht für die Brauereien bisher die Senkung der Rohstoffkosten beim Einsatz von Wintergerstenmalz im Vordergrund. Die Akzeptanz von Winterbraugerste durch die jeweilige Brauerei ist hierbei von entscheidender Bedeutung. Beim gezielten Anbau von Winterbraugerstensorten sollte die Sortenwahl mit dem Vermarktungspartner abgestimmt werden. Empfehlenswert ist der Vertragsanbau, um Absatz- und Preissicherheit zu verbessern.

Qualitäten

Ähnlich wie bei Sommerbraugerste steht das Erreichen der geforderten Qualitätsparameter im Mittelpunkt der Erzeugung. Um adäquate Brauqualitäten zu erhalten, sind Rohproteingehalte von 10,0 % bis 10,5 % anzustreben, in der Vermarktung gilt aber wie bei Sommerbraugerste die Zielgröße von unter 11,5 %. (...)

Mit Material aus "Sortenempfehlungen 2020 - Winterbraugerste" von Martin Sacher, Maik Panicke, Dr. Ulf Müller; Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie; Abteilung 9; Referat 94


Düngung und Verwertung

Die Auswahl geeigneter Anbauflächen und entsprechender Vorfrüchte mit geringerer N-Nachlieferung (keine Leguminosen) ist zur Erreichung der erforderlichen Qualitäten wünschenswert. Bei der Erzeugung von Braugerste ist der Zeitpunkt und die Menge der N-Gaben von entscheidender Bedeutung Dies sollte auch bei der Herbstgabe von Wirtschaftsdüngern beachtet werden.

Die N-Nachlieferung aus dem Boden gilt es aber auch bei einer abtragenden Vorfrucht wie Winterweizen zu beachten. Durch die gezielte Gabe von 20-30 kg N/ha wird die Strohrotte und somit die N-Mineralisierung frühzeitig angeregt.

Mit der Befahrbarkeit der Böden im zeitigen Frühjahr (Feb./März) empfiehlt es sich, eine schwefelbetonte Andüngung vorzunehmen, bei der 60-70 % des benötigten Stickstoffs gegeben werden.

Abzüglich des im Herbst ausgebrachten Stickstoffs und der Düngebedarfsermittlung erfolgt im April unter Berücksichtigung der Triebe/Pflanze und der Wasserverfügbarkeit die Schossergabe bzw. Qualitätsgabe. Zu diesem Zeitpunkt sollte spätestens klar sein, ob eine Vermarktung als Braugerste möglich ist.

Wenn dies nicht der Fall sein sollte, kann man nun über eine Erhöhung des Gesamt-N von 100-120 kg/ha auf 150 kg/ha die Ertragserwartung an die einer Futtergerste anpassen.

Für diese flexible Anbauplanung sollten bevorzugt mehrzeilige Winterbraugersten wie die Sorte ROSSIGNOLA verwendet werden. Zweizeilige Wintergersten wie LYBERAC, ZOPHIA zeigen sich dagegen deutlich qualitätsbetonter.

Paul Steinberg


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